Terminkalender

Gottesdienst
Sonntag, 18. Oktober 2020, 10:00 Uhr - 10:40 Uhr

Gottesdienst mit Prädikant Jochen Bader aus Weissach

Predigt Epheser 4, 22-32

Liebe Gemeinde,

der Predigttext für den heutigen Sonntag steht in
Epheser 4, 22-32:

Das hört sich doch zunächst so richtig glatt und rund an: -
bei näherer Betrachtung aber fallen sie einem schon ins Auge: Spannungen – wenn nicht sogar Gegensätze.

Wie ist es nun - haben wir das neue Leben - sind wir eine neue Kreatur, wie Paulus an anderer Stelle fröhlich behauptet - oder müssen wir eben doch immer wieder um diesen Status kämpfen?

Ist es nun Gott, der uns verändert und neu macht - oder sind wir es selbst, die mit eigenem Bemühen um ein Leben ringen müssen, das dem Vorbild Jesu entspricht?

Unser Predigttext versucht in diesen Fragen zu einem Ergebnis zu kommen.
Allerdings nicht so, dass er endgültig entscheidet, dass er ein für allemal festlegt, was denn christliches Leben ist.

Vielmehr wird die Frage nach dem rechten christlichen Leben an einem Bild verdeutlicht.
Alte Kleider ablegen - neue Kleider anziehen - um dieses Bild kreisen die Aussagen und versuchen die Sache zu verdeutlichen.

Lassen Sie uns dieses Bild nachzeichnen und gemeinsam überlegen, was christliches Leben ist und wie wir als Christen leben sollen.

Drei Grundlinien sind dabei erkennbar:

1. Neue Kleider zeigen ein neues Sein.

Legt ab den alten Menschen - zieht den neuen Menschen an.

Das wirkt doch auf den ersten Blick so richtig oberflächlich. Neue Kleider anziehen - was soll das verändern.
Was soll daran schon entscheidend oder gar wichtig sein.
Sich Umziehen ist doch etwas, was wir täglich meist sogar mehrmals machen.
Nichts Besonderes, oder?

Wenn wir das Rad der Zeit aber etwa 2000 Jahre zurückdrehen, also während unser Predigttext geschrieben wurde, werden wir erfahren, dass dieses Umziehen mehr zu bedeuten hat, als lediglich das einfache Wechseln von Kleidungsstücken.

Kleider machen Leute, dieser Satz bestimmte über viele Jahrzehnte, wenn nicht sogar Jahrhunderte das Leben der Menschen.

Jede soziale Schicht und jeder Beruf hatte seine Kleidung.

Feste Kleiderordnungen legten bis ins Mittelalter fest, wer was zu tragen hatte und was welchem Stand vorbehalten war.

Kleidung war nicht nur etwas Äußerliches –
nein, Kleidung zeigte öffentlich und unverwechselbar,

wer ein Mensch war und aus welcher Schicht er kam.

Auf diesem Hintergrund sagt unsere Mahnung, neue Kleider anzuziehen, Wichtiges aus.

Ihr seid neue Menschen - denn nur neue Menschen haben das Recht, die entsprechenden Kleider anzuziehen.

Ihr könnt in Christus das alte Leben nun auch fröhlich ablegen. Weil ihr neue Menschen seid - darum könnt ihr auch die neuen Kleider tragen, die Christuskleider.

Aber: Wir verkürzen den Glauben an Jesus Christus stark, wenn wir ihn auf einen bestimmten - vielleicht sogar irgendwie frommen - Lebensstil reduzieren.

Leben im Glauben ist mehr als ein Lebensstil, mehr als gute Angewohnheiten und mehr als besondere geistliche Erfahrungen.

Paulus sagt an anderer Stelle überdeutlich, durch Christus seid ihr eine neue Kreatur.

Der Glaube an Gott verändert, tiefgreifend und gründlich,
er schafft neu, weil er uns eine neue Welt eröffnet.

Er eröffnet uns das Leben mit Gott, eine neue Dimension,
ein Leben, das in Wahrheit erst Leben genannt werden kann.

Und weil das so ist, weil wir neues Leben in Gott haben,
darum sollen wir dieses neue Leben auch öffentlich sichtbar machen.

Wenn damals ein Sklave in die Freiheit entlassen wurde,
hat er als erstes seine Sklavenkleider fröhlich abgelegt und die Kleider des freien Bürgers angezogen.

Ebenso sollen auch wir die neuen Kleider nun anziehen.
Wir dürfen sichtbar machen, dass Gottes Glanz in unserem Leben ist.
Wir müssen nicht bleiben, wer wir sind und wie wir sind -
wir können uns sollen Gottes neue Schöpfung annehmen.

Die zweite Linie:

2. Anziehen als Erneuerungsprozess.

Allerdings: So sehr es wahr ist, dass Christus uns neu geschaffen hat, so gewiss er uns seine Liebe und seinen Geist gegeben hat - so bleibt es doch unsere Aufgabe, dies nicht nur ein für allemal anzuziehen, sondern uns immer wieder von ihm erneuern zu lassen.

Auch die besten Kleider werden alt.
Auch die schönsten Kleider werden schmutzig.
Geistliches Leben ist ein Leben in beständiger Erneuerung.

Vielleicht winken Sie jetzt gelangweilt ab und sagen:
das wissen wir schon längst.
Wir wissen, dass wir immer wieder Fehler machen - andere beschimpfen - verärgern - Böses planen, denken oder wollen.

Und wir wissen auch, dass wir in einer Welt leben,
in der man oft genug dem Schmutz und den Wunden nicht ausweichen kann.

Und damit haben Sie recht - es ist keine neue Erkenntnis.
Nur, was mich darum immer wieder überrascht ist, dass wir daraus so selten Konsequenzen ziehen.

Mir begegnen viele Christen (ich selbst eingeschlossen),
die sehr viel wissen über Schuld und Sünde, über Anfechtung und Niederlagen, und trotzdem, eines fehlt:
Die Sehnsucht nach Erneuerung.

Es ist kein Problem, schuldig zu werden - wir dürfen zu Gott kommen und er vergibt.
Es ist aber ein Problem, mit den schmutzigen und alten Kleidern herumzulaufen, sich nicht um Erneuerung bemühen.

Darum heißt es für uns: Zieht den neuen Menschen an!
Nicht nur einmal - immer wieder - und immer wieder neu.

Wie das geschieht?
Ganz einfach dadurch, dass wir Gedanken, Gefühle, ja unser ganzes Wesen immer wieder durch Gott erneuern lassen.

Gottes Wort will nicht nur einmalig an uns wirken.
Wenn es heißt, das Wort Gottes sei scharf wie ein zweischneidiges Schwert, bedeutet das nicht nur,
dass es so scharf und wirksam ist wie das Messer eines Chirurgen, sondern auch, dass es darauf ausgelegt ist,
immer wieder an uns zu wirken.

Wir brauchen Gottes Wort, um unser Leben immer wieder auf ihn ausrichten zu können.
So wie ich, der ich keine Schilddrüse mehr habe, täglich meine Jodtabletten nehmen muss, damit mein Stoffwechsel funktioniert, oder wie ein Zuckerkranker auf Insulin angewiesen ist, um am Leben zu bleiben, so sind wir als Christen auf Gottes Wort angewiesen, dass es uns immer wieder erneuert und verändert.

Genauso unverzichtbar ist in dem Zusammenhang das Gebet.
Im Beten treten wir in direkten Kontakt zu Gott.
Im Beten sprechen wir nicht nur zu Gott, sondern im Beten redet Gott auch zu uns -
zwar meist nicht so, dass wir Stimmen hören.
Aber doch so, dass Gott beginnt, unsere Gedanken und Gefühle zu verändern.
Wer für einen Menschen betet, erkennt bald:
Dieser Mensch ist mir wichtig.
Wer eine Situation im Gebet bewegt, wird merken,
dass sich der Blickwinkel verändert.

Erneuerung geschieht durch gelebte Nähe zu Gott,
die ganz verschieden aussehen kann:
das Lesen eines guten Buches kann da ebenso hilfreich sein, wie das Hören oder Singen von christlichen Liedern.

Das private Gebet in der Stillen Zeit hat ebenso seine Berechtigung wie die Gebetsgemeinschaft im Hauskreis. Tauschen Sie sich mit anderen Christen aus, suchen Sie die Gemeinschaft mit anderen aus der Gemeinde.
All das kann Gott benutzen, um uns täglich zu erneuern.

Zieht an den neuen Menschen - nicht ein für allemal -
sondern immer wieder neu.

Der letzte Strich:

3. Ablegen: damit die Herzen offen bleiben.

Und schließlich: Achtet auf die Kleinigkeiten - sie können große Folgen nach sich ziehen.

Zwei kleine Sätze haben mich etwas erschreckt:
»Gebt dem Teufel keinen Raum« und
»kränket nicht den Heiligen Geist.«

Wir sollen nicht nur immer wieder neu den neuen Menschen anziehen. Genauso wichtig ist die andere Bewegung: den alten immer wieder ablegen.

Zorn, Wut, schlechte Gedanken, sie haben eine fatale Eigenschaft: sie breiten sich immer aus.

Vor vielen Jahren gab es im Fernsehen die Sendung „Dominoday“. Ich war jedesmal begeistert, was ein einzelner fallender Stein auslösen kann. Wenn er fällt, zieht er tausende nach sich. Ein Stein kann viele Prozesse auslösen, ein einzelner kleiner Stein kann große Auswirkungen haben.

Bei uns Menschen ist das ähnlich.
Was können der Zorn oder die Wut auf einen Menschen auslösen.
Die Augen gehen zu, der Rolladen fällt runter, andere Menschen werden nicht mehr wahrgenommen, das Feindbild wird sauber gehegt und gepflegt, jedes Wort und jede Bewegung genauestens geprüft.

Wenn sich Wut festsetzt, wenn Emotionen die Gedanken bestimmen und offenes Hören nicht mehr möglich ist,
dann zieht sich Gottes Geist zurück.

Vergessen wir eines nicht:
Gott ist die Liebe,
Gott bringt die Liebe,
und Gott teilt die Liebe aus.

Aber im Hass kann er nicht leben.
Wo Hass ist, zieht der Heilige Geist sich zurück, um einem anderen Platz zu machen.
Dem Teufel Raum geben heißt, die Wut pflegen,
die Eigenschaften des alten Menschen nicht ablegen wollen.

Konflikte, die man nicht löst, sind der Nährboden des Bösen. Darum: haben wir doch den Mut, den alten Menschen abzulegen und Konflikte fair zu lösen.

So sehr geistliches Leben immer wieder von der Erneuerung lebt, so sehr lebt es auch davon, immer wieder neu anzufangen.
Alte Gedanken abzulegen, Konflikte zu klären und böse Worte und Gedanken aus dem Leben zu verbannen.

Zieht an den neuen Menschen, weil Christus euch neu nach seinem Bild geschaffen hat.
Lebt fröhlich im Anziehen, im Erneuertwerden aus Gottes Geist und zugleich im Ablegen des alten Menschen.

Anders ausgedrückt: Christliches Leben ist Leben in der Umkleidekabine. Das immer neue Ablegen des alten Menschen und das Anziehen des neuen Lebens.

Ich bin gespannt, wie wir sein werden,
wenn wir am Ende unseres Lebens aus der Umkleide kommen und er ganz sichtbar ist,
der neue Mensch, zu dem uns Christus geschaffen hat.   Amen.

 

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