Terminkalender

Gottesdienst
Sonntag, 24. Mai 2020, 10:00 Uhr - 10:40 Uhr

Gottesdienst an Exaudi, 24. Mai 2020

Warten auf die Zeit, die kommt

 exaudi1exaudi2
exaudi3exaudi4


exaudi5exaudi6
Bei Gott ist die Quelle des Lebens
und in seinem Lichte sehen wir das Licht.


Lasst uns beginnen im Namen Gottes des Vaters
und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Amen.


Im Beten und Hören sind wir vereint.


Lassen wir uns hineinnehmen in Worte aus Psalm 27

Gott ist mein Licht und mein Heil;
Vor wem sollte ich mich fürchten?

   Gott ist meines Lebens Kraft;
   Vor wem sollte mir grauen?Ich finde Zuflucht in Gottes Haus.
Dort bin ich geborgen.

   Dort stehe ich fest, wie auf einem Felsen und rufe:
   Erhöre mein Gebet!

Du bist meine Hilfe und mein Heil.
Du nimmst mich immer wieder auf.

   Du zeigst mir den guten Weg und
   Leitest mich auf rechter Straße.

   Dein Name sei gelobt!

* Gebet:

Herr Jesus Christus, in deinen Worten zeigst du uns die Liebe Gottes, die allen Menschen gilt.
Wir bitten dich um deinen Heiligen Geist, den du uns zugesagt hast.
Stärke und tröste uns durch ihn in den Nöten, in die wir geraten. Erneuere uns, gib uns achtsame Sinne und lass uns die Welt um uns mit den Augen der Liebe betrachten.
Wir bringen in der Stille unser ganz persönliches Gebet vor dich:

-Stille-
Herr, du erhörst mich und gibst meiner Seele große Kraft. Amen.

*Schriftlesung/Predigttext:   Jer 31, 31-34Die Verheißung eines neuen Bundes

„Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR;
sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR:
Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein und ich will ihr Gott sein.
Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.“

*Predigt: Jer 31, 31-34

Liebe Gemeinde,

Ausgangsbeschränkungen für die Jünger. So muss es sich angefühlt haben.
Aber selbstgewählt. Da sitzen sie im Obergeschoß des Hauses, wo sie immer wieder zusammen gewesen sind. Die elf Jünger. Und Frauen sind auch dabei, Maria Magdalena und Johanna und die Mutter Jesu, und seine Brüder. Sie sitzen zusammen. So erzählt der Evangelist Lukas. Und beten.  Vielleicht mit den Worten aus Psalm 27. Den man im Volk Israel betet. „HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir!“

So heißt der heutige Sonntag. Exaudi: Höre mich!

 Jesus ist weg. Sie sehen ihn jedenfalls nicht mehr. An Himmelfahrt hat er sich verabschiedet. Jetzt warten sie darauf, dass sich erfüllt, was er versprochen hat:
„Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen Der wird euch erfüllen. Und ihr werdet meine Zeugen sein.“
Diese Kraft ist aber noch nicht da. Sie spüren nichts. Also warten sie. Und hoffen. Und beten.
Glauben heißt: warten.

Wir lernen das seit vielen Wochen. Wir warten. Es fällt uns schwer. Je länger, je mehr. Wir wollen eine Perspektive, am besten ein Datum. Wann ist es – vorbei? Wann ist es wieder gut, also wie vorher?
Manche wollen das komplette Ende vom ‚lockdown‘. Gehen auf die Straßen und Plätze. Fordern. Kritisieren. Wir wollen nicht mehr warten. Wir wollen alles. Und zwar jetzt.

„Siehe, es kommt die Zeit.“

Alte Prophetenworte. Aber diesen Worten fühle ich mich merkwürdig nah.

Wenn der Prophet nun wieder Hoffnung macht und als Wort des Herrn sagt: „Siehe, es kommt die Zeit.“ Dann warten sie. Das ist ihre Geschichte. Die Geschichte Israels.
Aber diese Zeit ist nicht einfach vorbei. Obwohl ich auf der anderen Seite denke: das sind Zukunftsworte an das Israel höre. Von den Propheten verkündigt, in schwieriger Zeit.
Ja, die mussten damals warten. Die Menschen aus dem Volk Israel. 600 Jahre vor Christus. Eine grausame politische Niederlage mussten sie hinnehmen. Die Stadt Jerusalem war verwüstet. Der Tempel zerstört. Leben findet in der Fremde statt oder in Trümmern.
Das Volk Israel hat das auch als Strafe Gottes verstanden. Ja, sagten sie: wir haben uns von Gott abgewendet.

Wie hören sich die Worte für uns christliche Gemeinden an? Für solche, die sich aufs Neue Testament berufen.
Da höre ich so ein trotziges Dagegenhalten in mir.
Für uns Christen heute ist alles erfüllt. Christus ist längst gekommen. Er ist da. Und wir müssen nicht mehr warten.

Aber so ist es nicht. Wir sind mit Gottes Geschichte nicht am Ende.

Nach wie vor gehört es zu unserem Glauben – auch nach den Ostererfahrungen- dass wir warten. Nämlich darauf, dass einmal alles gut wird – Gott alles gut und heil macht in Gerechtigkeit und Wahrheit. Dass Christus widerkommt am Ende Zeit. Das ist das neue Testament. Das gehört zum Neuen Bund zwischen Gott und den Menschen.Es ist eben nicht- noch nicht - alles erfüllt, was Jesus verspricht.

Es ist keineswegs alles gut. Die großen  Verheißungen Gottes stehen aus. Auch für uns. Auch für mich. Die ungewohnte Situation, in der wir uns seit vielen Wochen befinden und die sicher auch noch lange so bleiben wird, zeigt: Wir stehen neben dem Volk Israel. Wir können mitbeten bei den Worten: Herr, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir!“

Dann sitzen wir im Obergeschoß – genauer gesagt, in der Kirche. Wo wir schon öfter saßen. Und doch anders, in kleiner Zahl und weit auseinander. Mit Mundschutz, dürfen nicht singen und musizieren, wie früher. Dürfen uns nicht begrüßen und  verabschieden, wie wir es gerne täten, dürfen nicht beim Kirchenkaffee zusammen sein. Sondern warten. Wir warten und hoffen auf gute Veränderung.

Dabei ärgere ich mich über mich selbst. Ich möchte dankbar dafür sein, wie gut es mir geht. Dass ich habe, was ich zum Leben brauche. Dass ich gesund bin und ganz eng mit vielen lieben Menschen verbunden bin. Aber ich vermisse die offene Gemeinschaft. Den gemeinschaftlichen Gesang. Das Singen im Chor. Unseren Posaunenchor. Die Kinder, die fröhlich zum Kindergottesdienst gehen. Den guten Austausch

Es gibt kein: Jetzt. Sofort. Wir warten. Ich warte. Das gehört zu dieser Lage dazu. Es gehört zu meinem Glauben dazu. Zu warten. Dass Gottes Verheißung sich erfüllt. Und das Leben bestimmt.

„Siehe, es kommt die Zeit.“ Und dann glauben wir nicht nur. Dann sprechen und bekennen wir nicht nur.  Dann erleben wir.

Dann ist Gottes Nähe nicht bloß in Büchern. Nicht bloß im Kopf und auf den Lippen. Sondern im Herzen. Und darum im ganzen Menschen. Was in meinem Herzen wohnt, bestimmt mein Leben. Was ich denke. Was ich glaube. Was ich hoffe. Worauf ich mich freue. Wenn ich liebe.

Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben.

Das alles geschieht unmittelbar. Es muss mich niemand überzeugen, belehren. Ich muss Gott nicht verstehen. Er legt es in mein Herz. Egal, wer ich bin. Ich darf hoffen, dass das jetzt geschieht.

Wie gut, dass du, Gott, das wahrmachst. Ich möchte dir vertrauen.

Gott, Ich vertraue dir, dass du meine Zweifel vergibst, meine Ungeduld, meine Forderungen, meine Enttäuschungen. Dass du mich auf deine Zukunft mit uns hoffen lässt;  dass du mich lieben lässt, die, mit denen ich lebe, die, die leiden. Dass du mich warten lehrst auf dich.

Und bis dahin bete ich mit vielen anderen, die zu dir und deinem Volk gehören:

„HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir!“ Amen.

*Fürbittengebet -Vater unser:
Herr Jesus Christus, du hast uns zugesagt, dass du bei uns sein willst durch die Kraft des Heiligen Geistes.
Lass uns nicht im Unfrieden, sondern tröste uns in aller Traurigkeit.
Wir bitten dich: stärke unseren Glauben, dass wir im Vertrauen auf dein Wort hin leben können.
Wir bitten dich: Verändere uns Menschen. Lass uns verstehen, wo es ungerecht zugeht unter uns und hilf uns dagegen anzugehen.
Wir bitten dich, dass wir einstehen für Schwächere und Menschen in Not.
Wir bitten dich, dass wir einstehen für Weg des Friedens.
Wir bitten dich, dass uns dein Geist mit Zuversicht erfüllt.
Wir beten im Namen und mit den Worten Jesu: Vater unser im Himmel…

*Segen:

Der Herr segne euch und behüte euch.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchte über euch und sei euch gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch und gebe euch Frieden.
Amen.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen Ihre Pfarrerin Annette Rüb

FUVI0111ADANAUL
FREE Joomla! template "Adana"
joomla 1.6 templates by funky-visions.de