Nun findet der Gottesdienst wieder in unserer Michaelskirche statt, allerdings unter strengen Hygieneauflagen. Weiterhin können Sie auch hier die aktuelle Predigt lesen.

 

 Glockengeläut

Orgelvorspiel                      Organistin Gerda Grimm

Liedverse                                       EGB 449, Verse 1 – 4,

Orgel          "Die güldne Sonne, voll Freud und Wonne"

Lobet den

            Zeichen zum Aufstehen geben

Votum                                                                       Liturg

Wir beginnen diesen Gottesdienst

Im Namen des Vaters und des Sohnes
und des Heiligen Geistes.         

                        Gemeinde: Amen

Begrüßung, Tagesspruch                                              Liturg

Wir grüßen uns an diesem Morgen des 4. Sonntags nach Trinitatis

Wir grüssen uns zu besonderen Zeiten. Der Virus Corona greift sehr intensiv in die üblichen Tagesabläufe von uns hinein. Die einen schütteln sich und warten ab, wann sie wieder die alten Abläufe spielen. Andere entdecken neue Chancen, das eigene Leben umzustellen. Nicht im „Hamsterrad“ nachzueilen, sondern Zeit für sich oder die nächsten neu zu entwickeln. Wieder andere haben Ängste, was soll nur werden?….

Darauf gibt es eine Antwort:

Wir grüßen uns mit dem Wochenspruch aus Galater 6, Vers 2:

Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen."

Gebet zum Eingang                                 Liturg

  

Wir beten:

Heiliger, dreieiniger Gott!
Du guter Dennoch-Gott!

Dennoch bleibst du bei uns!
Du kennst uns durch und durch.
Du siehst unser Leben, du kennst unsere Gedanken,
unsere Wünsche und unsere Taten.
Und dennoch bleibst du bei uns.
Dennoch liebst du uns.
Dennoch kommst du uns entgegen.
Dennoch bist du für uns da.
Du Dennoch-Gott, du trägst mit uns unsere Last.
Du Dennoch-Gott trägst uns als Last,
die dir nie zu schwer wird.
Du wirst unser nicht überdrüssig.

Jeden Morgen geht deine Gnade über uns auf.
Auch deine Herrlichkeit.
Jeden Morgen ist deine Treue neu.
Das macht uns Mut, das schenkt uns Kraft,
das stärkt und heilt uns.
Das schenkt unserem Leben wieder Leichtigkeit.
Dafür danken wir dir.
Dafür loben wir dich.
Du Dennoch-Gott!

Vater, wir danken dir, dass du jeden von uns hörst, wenn wir jetzt in der Stille weiter beten, miteinander und füreinander:  

Stilles Gebet

Jesus, Licht der Welt, leuchte allen Menschen und führe uns aus dem Dunkel in das Licht,

das nie vergeht.

                                            

                        AMEN

Sie können sich wieder setzen

Lesung des Predigttextes                      KGR/Liturg

            Matthäus 6, Verse 06 bis 08

           

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen.

Liebe Wimsheimer Gemeinde,

Mit Kapitel 12 beginnt ein neuer Abschnitt im Römerbrief. Die großen theologischen Themen sind abgehandelt: Sünde, Gnade, Glaube, Gottes Gerechtigkeit, Taufe, Gesetz, Evangelium und Gottes Weg mit Israel. Die Kapitel 12–15 nehmen nun das Thema »christliches Leben« auf.

Wie lebt ein Christenmensch? Ja, es geht um Moral! Es geht um Ethik! »Vernünftige fahren hier nicht mit dem Rad. Den anderen ist es verboten.« Dieser pfiffige Text steht auf einem Schild an der Uferpromenade in Friedrichshafen, um ein Gesetz freundlich, aber doch eindringlich durchzusetzen.

Vielleicht täte es der Christenheit gut, deutlich zu machen, dass das Evangelium durchaus den Anspruch des Gesetzes vertritt und das Gesetz sich dadurch in das Evangelium verwandelt.

In dem uns aufgegebenen Text geht es um christliche Moral, um christliche Ethik. Gelebte christliche Ethik verwandelt sich in das Evange-lium und in die Verkündigung des Evangeliums.

Römer 12 stellt fest: Das ganze Leben eines Christenmenschen ist Gottesdienst. Der Gottesdienst geht im Alltag weiter und der Alltag mündet in den Gottesdienst. Hier wird deutlich werden, ob Christen christlich leben.

  • Es geht um Theorie und Praxis, um Wort und Tat, um Glaube und Werke.
  • Es geht um Erinnerungen, Weisungen, Ermahnungen, um Gebote und Verbote.
  • Es geht um den christlichen Lebenswandel. Der Gottesdienst ist in den Alltag zu übersetzen und zu integrieren.         Das Leben unter der Gnade und unter der Barmherzig-keit Gottes vollzieht sich nicht einfach von selbst. Wir müssen alle ermahnt werden! Innerlichkeit und Äußerlichkeit gehören zusammen und bilden eine Einheit. Authentischer Glaube bewährt sich in den

Unbilden und den Mini-Sticheleien des Alltags.

Der Text atmet den Geist der Bergpredigt Jesu!

Sie stört die Macht des »Faktischen«, die Macht des Bösen. Sie (ver-) stört mit der Macht der Liebe Gottes! Deswegen muss anders gerechnet werden!

Es muss mit Gott gerechnet werden

 

Liebe Gemeinde
dazu eine kleine Geschichte zum Thema

Demütigungen

Als Semra die Tür des kleinen Supermarktes hinter sich zuschließt, ist es bereits dunkel. Wieder einmal ist es spät geworden. Für die letzte Stunde wird sie keinen Lohn erhalten. Es ist unmöglich, zugleich an der Kasse zu sitzen und das Lager aufzuräumen. Der Marktleiter fordert es trotzdem.
Die letzten Tage war sie mit Fieber im Bett gelegen. Als sie heute – immer noch angeschlagen – zur Spätschicht kommt, begrüßt er sie: „Na, schönen Urlaub gehabt?“ Als sie empört reagiert, dreht er sich um. Nur um dann später zu spotten:
„Warum hast du so einen weiten Pulli an, ich schau dir schon nichts weg.“
Kaum ein Tag vergeht, ohne dass er sie schikaniert oder erniedrigt. Sie hat wider-sprochen, hat sich beschwert, war freund-lich, – es hat alles nichts genützt. Es ist nur schlimmer geworden.
Kündigen kann sie nicht, sie braucht das

Geld doch für sich und die Kinder.
Doch heute Nachmittag ist etwas in ihr geplatzt. Als er sie im Beisein eines Kunden herunterputzt, spürt sie auf einmal einen gewaltigen Zorn. Eisige Kälte breitet sich in ihr aus.

Jetzt reicht es. Das wird er büßen müssen. Das werd’ ich ihm vergelten.
Ein böses Gerücht über ihn in die Welt setzen.
Verdorbene Lebensmittel untermischen und anonym den Wirtschaftskontrolldienst anrufen. Sein Motorrad unbemerkt beschädigen, so dass er verunglückt.
Es ist ihr auf einmal egal, ob sie die Stelle verliert oder nicht. Auf dem Heimweg wundert sie sich, wie ruhig sie ist, wie wach und energiegeladen. Ganz anders als sonst, wenn sie sich müde und deprimiert nach Hause schleppt.
Das sind starke Gefühle

Liebe Gemeinde,

Rachegefühle sind starke Gefühle.
Vergeltung üben an dem, der mich (vermeintlich oder tatsächlich) demütigt,

das scheint zum Menschsein zu gehören von Urzeit an.


Kain hasst Abel, weil er sich ungerecht behandelt fühlt.
Dann ermordet er ihn.


Racheakte versprechen offenbar einen Weg heraus aus Hilflosigkeit und Ohnmacht.
Kein Opfer mehr sein. Wieder ins Spiel kommen. Einen Ausgleich schaffen. Quitt werden.

Wie du mir, so ich dir.

Ja, es kann geradezu eine Lust sein, den anderen büßen zu lassen für das, was er mir angetan hat. Oder, was ich glaube, das er mir angetan hat. Rache ist süß.


Selbst über Gott heißt es in der Tora, dass er sich rächen möchte an seinem Volk, das ihn verrät, verhöhnt, vergisst.


Rache aus enttäuschter Hoffnung.
Rache aus enttäuschter Liebe.
Starke Gefühle.

Ein Menschheitsthema

Seit alters her suchen Menschen, die zusammen leben, nach Wegen, die zerstörerische Macht der Rache zu begrenzen.
Auch die Bibel zeugt davon.
Kain, der Mörder, wird von Gott geschützt.
Er soll kein Freiwild sein.
Auge um Auge, Zahn um Zahn: Ein Gegenschlag ist erlaubt, dann muss es gut sein.


Schon im Alten Testament gibt es das Gebot, dem Feind zu essen zu geben, wenn er hungrig ist. Ihm das Nötige nicht vorzuenthalten.


Von Jesus wird das noch zugespitzt durch die Aufforderung, auch die Feinde zu lieben.
Doch seien wir ehrlich. Auch wenn wir Rachephantasien und Rachegelüste hässlich und verabscheuenswert finden: Sie sind da.
Auch wenn wir solche Gefühle gerne in eine Schmuddelecke schieben, so suchen sie doch oft ihren Ausdruck auf offene oder auf subtile Weise.
Da reagiert einer auf eine Kränkung mit kleinen Sticheleien. Oder indem sie wichtige Informationen verschweigt. Mit kleinen, genüsslichen Gemeinheiten.
Das kann harmlos sein. Oder zerstörerisch.

Sich unterbrechen

Und dann – heute – Paulus: „Vergeltet nicht Böses mit Bösem!
Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.“
Es hört sich so leicht an.
Das Muster von Schlag und Gegenschlag aktiv unterbrechen.
Eine positive Haltung einnehmen.
Seid auf Gutes – wörtlich: auf Schönes! – bedacht.

Wer Opfer geworden ist, soll nicht Opfer bleiben,sondern zum Täter werden. Allerdings zum guten Täter.
Soll die zerstörerische Energie nicht unterdrücken, sondern umwandeln in eine Kraft, die Schönes schafft.
Wie kann das gehen? frage ich Paulus.
Wenn es so einfach wäre, dann müssten unsere Gemeinden Orte des Glücks sein!

Froh bin ich über die paulinische Nüchternheit, mit der er fortfährt:
„Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so haltet mit allen Menschen Frieden.“
Es ist nicht immer möglich. Es liegt nicht nur

an einem selbst. Manches ist nicht zu lösen.
Manche Beziehungen gehen auseinander.

Da hilft nur Abstand.


Nur für mein Handeln bin ich verantwortlich.
Das scheint die Aufgabe zu sein: aufhören,

mich vom anderen abhängig zu machen.
Statt „Wie du mir, so ich dir“:
So handeln, wie es recht ist. Und schön.

Und dann loslassen. Raum lassen - Abstand

zu lassen, das scheint noch in einem anderen Sinn geboten zu sein:
„Rächt euch nicht selbst, meine Geliebten, sondern lasst Raum dem Zorn Gottes!“

So zitiert Paulus die Tora.
Lasst Raum!


Wenn wir uns zwanghaft mit unserem

Gegner und seinen Untaten beschäftigen:

Kann es sein, dass wir gerade so einer Veränderung im Weg stehen? Wenn wir

den anderen bedrängen, sich zu ändern:

Kann es sein, dass wir gerade so den Raum versperren, in dem jemand sich selbst be-

gegnen könnte?
Oder geht es darum, in uns selber wieder

Raum zu lassen? Wahrzunehmen, wohin

es uns eigentlich zieht? Wo wir selbst hinwollen?

Sein ist die Rache?

Lasst Raum dem Zorn Gottes!
Es kann enorm entlastend sein, daran zu glauben, dass Gott selbst für Gerechtigkeit sorgen wird. Dass er die Vergeltung über-nimmt.

Trotzdem, bleibt nicht doch der Zweifel: Was, wenn er es nicht tut? Wenn die Bösen niemals zur Rechenschaft gezogen werden? Jedenfalls nicht in dieser Welt?

Der Tora folgen

Paulus fordert uns hier auf, selbstbestimmt zu handeln.
Uns von der Tora (oder von unseren eigenen Werten) leiten zu lassen, – egal was die anderen tun. Auch ohne die Sicherheit, dass Gott eingreift.
Das braucht innere Kraft. Große innere Reife.
Aufhören, Opfer zu sein. Aber auch nicht der oder die vermeintlich Gute sein, die Unver-schämtheiten und Demütigungen ergeben erträgt.
So würden wir uns ja zu Komplizinnen des Bösen machen. Selbstverständlich sollen wir auf das Recht verweisen und gemeinsam für die Rechte aller kämpfen.
Wir sollen und dürfen für uns eintreten.
Aber eben nicht, indem wir im selben Muster bleiben wie unser Bedränger. Nicht, indem

wir den Kreislauf von Gewalt und Gegen-

gewalt anfeuern. Sondern uns losreißen

und eine andere, neue Ebene einnehmen.


Es könnte sein, so Paulus, dass unser Feind dann erschrickt und beschämt von dannen zieht. Mit rotem Gesicht wie im alten Ägypten. Wo Leute, die ihre Schuld einsahen, eine Schale mit Kohle auf dem Kopf durch die Straßen trugen.

„Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“
Es könnte sein.
Und wenn nicht? Wenn der andere sich nicht ändert?

Eine Entscheidung treffen

Auf dem Rückweg aus dem Park sieht Semra einen Mann unter einer ausladenden Buche liegen, in einer seltsam verdrehten Haltung. Ist er verletzt? Als sie näher hin geht, erkennt sie ihn. Es ist der Marktleiter. Er scheint nicht bei Bewusstsein zu sein.
Seit drei Jahren hat sie ihn nicht mehr gesehen. Sie hat damals bald gekündigt. So erschrocken war sie gewesen von der Macht ihrer Wut. Aber sie wusste auf einmal: Es wird gehen, auch ohne diesen Job. Die Zeit ohne Arbeit war hart. Aber es war auch eine Zeit, in der ihre Selbstachtung wieder gewachsen ist. Inzwischen hat sie eine bessere Stelle gefunden.
Als sie ihren Peiniger da so liegen sieht, ist ihr erster Impuls, ihn liegen zu lassen. Es geschähe ihm recht so.
Ein paar Sekunden steht sie einfach so da.
Dann trifft sie eine Entscheidung.
                                               Amen.

Es folgt ein kurzes besinnliches Orgelstück, um

Gottes Wort etwas nachklingen zu lassen.

wir erheben uns zum  

Fürbittengebet                                           Liturg

Du Dennoch-Gott.

Du Gott des Friedens. Du Friedefürst.

Du Gott der Versöhnung und der Vergebung.

Du aufrichtender und helfender Gott.

Hilf uns und steh uns bei:

Wir wollen unsere alten Kleider ablegen.

Die Kleider der Habgier und des Ungehorsams,

die Kleider des Zorns, der Bosheit
und der schändlichen Worte.
Die Kleider der Unversöhnlichkeit und des Streites.

Wir rufen zu dir:
Herr, erbarme dich (EG 178.10)

Du Dennoch-Gott.

Du Gott des Friedens. Du Friedefürst.

Du Gott der Versöhnung und der Vergebung.

Du aufrichtender und helfender Gott.

Hilf uns und steh uns bei:

Kleide du uns neu ein mit den Kleidern
des herzlichen Erbarmens,
mit den Kleidern der Freundlichkeit,
der Demut, der Sanftmut und der Geduld.

Wir rufen zu dir:
Herr, erbarme dich (EG 178.10)

Du Dennoch-Gott.

Du Gott des Friedens. Du Friedefürst.

Du Gott der Versöhnung und der Vergebung.

Du aufrichtender und helfender Gott.

Hilf uns und steh uns bei:

Richte dein Reich auf in dieser Welt – auch mit uns.
Auf allen Kontinenten, in Wirtschaft, Politik
und auch in deiner heiligen christlichen Kirche.
Schenke, was du segnen kannst an Gedanken,
Worten, Wünschen und Taten.
Nimm, was du nicht segnen kannst an Gedanken,
Worten, Wünschen und Taten.

Wir rufen zu dir:
Herr, erbarme dich (EG 178.10)

Was uns sonst noch bewegt, schließen wir ein
in die Worte, die Jesus uns geschenkt hat …Vaterunser

 

Vater VatVatLiedverse (wie vorhin)                 neue Lieder plus

                                                           Nr. 121, Verse 1- 5

Abkündigungen                           KGR

Segen                                                           Liturg

Gehet hin in die neue Woche im Segen des Herrn:

Der Herr segne dich und behüte dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf
dich und gebe dir seinen Frieden

dreidreifaches Amen  Während Frau Grimm das Nachspiel musiziert, verlässt die Gemeinde die Kirche.

Prädikant Reinhardt Boehm, Rutesheim

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