Predigt am 18. Sonntag nach Trinitatis zu 5.Mo.30,11-14               am 11.10.2020


Ihr Lieben,
Mose ist alt geworden. Vom Leben gezeichnet steht er jetzt hier am Ostufer des Jordan und blickt zurück auf sein bewegtes Leben und seinen Weg. Es war eine lange Wanderung. Viele Jahre hat er das Volk Israel aus Ägypten durch die Wüste geführt und bis hierher gebracht. Vieles hat die wandernde Schar erlebt. Vieles hat Mose von Gott bekommen und an das Volk weitergegeben. Viele der Gefährten der ersten Stunde sind schon gegangen. Die lange Zeit und die Strapazen der Reise waren zu viel.

Das Volk soll einziehen in das von Gott versprochene Land. Aber er wird nicht dabei sein. Gott wird hier seinen Weg enden lassen. So hat er es verheißen. Und trotzdem ist noch nicht alles zu Ende. Es muss noch so viel geregelt werden. Es gibt noch so vieles zu sagen. Mose hat von Gott die Gebote, die Regeln für das Leben im zukünftigen Land empfangen. Diese will, muss er dem Volk nochmals mit Nachdruck nahebringen.

Oft hatte er mit Gott darum gerungen, dass er seinem Volk die Gebote lässt, auch als sie sich abgewendet haben. Oft hatte er mit dem Volk gerungen. Sie taten sich so schwer mit einem Gott, den man nicht sehen kann. Oft hatte er mit sich selbst gerungen und mit der Aufgabe, die ihm übertragen worden ist. Gott hatte zu ihm geredet, damals im brennenden Busch: Geh zum Pharao und befreie mein Volk aus der Sklaverei. Führe sie in das Land, das ich ihnen versprochen habe. Mose schaut über das Volk, das ihm anvertraut ist und sagt:

Das Gebot, das ich dir heute gebiete, ist dir nicht zu hoch und nicht zu fern. Es ist nicht im Himmel, dass du sagen müsstest: Wer will für uns in den Himmel fahren und es uns holen, dass wir's hören und tun? Es ist auch nicht jenseits des Meeres, dass du sagen müsstest: Wer will für uns über das Meer fahren und es uns holen, dass wir's hören und tun? Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, dass du es tust. (5.Mo.30,11-14)

Wir können Moses Worten anmerken, dass es ihm ein Herzensanliegen ist. Das Volk, das er so lange geführt hat, soll auch nach seinem Sterben Gott treu bleiben. Und deshalb versucht er eindringlich all das weiterzugeben, was ihm schon während der ganzen Zeit der Wanderung wichtig geworden ist. Erst recht als er von Gott am Sinai die Gesetzestafeln bekommen hat.

Mose weist das Volk noch einmal, wieder einmal, auf das Gebot, auf die 10 Gebote hin. Sie sind der Schlüssel für ein gutes Miteinander. Ein gutes Miteinander von Volk und Gott und ein gutes Miteinander der Menschen. Und um die Rede noch eindringlicher zu machen sagt er: Ich gebiete dir. Es ist nicht nur ein Angebot. Es ist kein „wenn ihr mal Lust habt, dann. . .“ oder ein „es wäre gut, wenn . . . „ Mit der der Vollmacht eines großen Anführers will er mit allem Nachdruck sein Vermächtnis weitergeben. Und das Schöne an diesem Gebot ist, dass es ganz nah ist. Das ist ihm besonders wichtig.

Denn nach den vielen Jahren der Wüstenwanderung erscheint den Israeliten alles weit weg zu sein. Für viele sind es nur noch längst vergangene Geschichten, von denen halt die Alten noch schwärmen. Weit weg ist der Auszug aus Ägypten, die Befreiung aus der Sklaverei. Weit weg ist das Lager am Sinai und wie damals Mose die Tafeln mit den 10 Geboten vom Berg gebracht hatte. Weit weg erscheint ihnen allerdings auch der Einzug ins gelobte Land. Und sind auch die Gebote vom Sinai inzwischen weit weg? Ist das alles überholt, was damals mit Gott ausgemacht wurde und immer wieder erzählt wird?

Nein, sagt Mose eindringlich. Gottes Gebote sind nicht weit weg. Die sind doch die ganze Zeit hier bei euch. Vielleicht haben da manche Zuhörer sogar zustimmend genickt. Stimmt, er hat recht! Die Gottes Gebote sind doch ganz nah. Die Gesetzestafeln sind doch in der Bundeslade aufbewahrt, mitten in unserem Lager. Ist das die Nähe, die Mose meint?

Er versucht zu erklären, wo das Gebot zu finden ist, das so nahe liegt. Keiner muss in den Himmel geschickt werden oder über das Meer, um das Gesetz zu holen. Niemand muss sich auf den Weg machen, um irgendwo göttliche Abweisungen einzusammeln. Das ist anders als es die Israeliten bei den umliegenden Völkern kennen mit deren Göttern. Denn die sind weit weg. Hohe Türme, Pyramiden oder andere an den Himmel heranreichende Gebilde müssen gebaut werden, um den Göttern und deren Geboten nahe zu sein. Es müssen keine Priester auf große Fahrt geschickt werden, um die Gebote und Offenbarungen der Götter abzuholen. Keine Beschwörungen und anderes ist nötig, um himmlische Weisungen zu bekommen.

Das Hören und Tun des Gebots kann sofort geschehen. Es braucht keine lange Wartezeit auf einen Überbringer göttlicher Anweisung. Das Gebot Gottes ist da. Mose hat es gebracht. Nicht nur in schriftlicher Form, gemeißelt in steinerne Tafeln, sondern immer und immer wieder hat er dem Volk das Gesetz auch in seinen Reden nahegebracht, es mit Worten in die Herzen gemeißelt.

Nicht nur aufgeschrieben, sondern in den Herzen der Menschen. Das scheint mir der entscheidende Punkt zu sein: Beherzigen kann ich nur, was ich nicht jedes Mal wieder nachlesen muss, sondern was jemand auswendig kann, das hat habe ich dann auch inwendig bei mir - immer und überall.

Für viele sind auswendig gelernte und im Herzen bewahrte Worte ein großer Schatz. Der Spruch zur Konfirmation, der Text bei der Trauung, die Jahreslosung, eine Liedstrophe oder ein Gedicht. Manchmal hängt in der Wohnung irgendwo eine Spruchkarte, die mir immer wieder ins Auge sticht. Oder es geht mir eine Melodie im Kopf herum. Das hilft dann sogar noch zusätzlich, ein Bibelwort, ein Hinweis fürs Leben im Herzen zu behalten und auch immer wieder parat zu haben. Das hat Mose gemeint. So können Gottes Gebote eine Hilfe sein in Zeiten der Freude und der Not, der Anfechtung und des Glücks. Es ist das Wort ganz nahe bei dir, in deinem Munde und in deinem Herzen, sagt Mose. Und er fügt hinzu .... dass du es tust.

Gottes Gebot, seine Anweisung zum Leben soll nicht allein im eigenen Herzen versteckt bleiben. Es kann vielmehr auch andere Menschen begleiten und leiten auf all ihren Wegen. Es ist ja nicht nur ein Vers in unser Herz eingesenkt, damit ich selbst daran Halt finde. Gottes Gebot in den Herzen. Ganz viel Wichtiges wurden uns von Kind an nahegebracht. Von den Eltern und Großeltern, von Tanten und Onkel, von Freunden und Bekannten. Tu dieses oder jenes, lass das bleiben denn es tut dir nicht gut. Es ist gut, dass wir Gesetze und Verordnungen gehört haben, in der Schule gelernt und in der Zeitung gelesen. All das kann einem guten Zusammenleben dienen. So wie das Gebot Gottes, unsere zehn Gebote, die Mose dem Volk überbracht hat.

Doch zuletzt stellt sich noch die Frage: Gebote im Herzen bewahren und sie einhalten, reicht das für Gott?

Ein junger Mann will von Jesus wissen, ob es reicht, was er für Gott tut. Die Gebote halten, die gegeben sind, das ist gut, sagt Jesus. Aber wer nur um der Gebote willen handeln, nur um es Gott recht zu machen. ohne die Liebe zu Gott und den Mitmenschen: Das wird nicht reichen. Das Vertrauen auf die Liebe Gottes sollte für uns alle der Maßstab des Handelns sein. Danken wir Gott mit Herzen, Mund und Händen, dass er seine Gebote in unser Herz platziert hat und uns so ganz nahe ist. Lassen wir uns vom Herzen leiten in dem, was wir tun, dann kann ein Leben gelingen, wie Gott es will. Gut, dass wir Gottes Anweisung zum Leben so nahe bei uns haben.       Amen

Lied 295,1-4 Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit

Fürbitten
Herr, unser Gott, manchmal sind wir hin- und hergerissen, wissen nicht, was gut ist und was böse. Manchmal sind wir unserer Sache viel zu sicher, dann wieder zweifeln wir an allem. Stärke unser Vertrauen zu dir und lass uns füreinander eintreten.

Wir bitten dich für die Ziellosen, dass sie ihren Weg finden, für die Zweifelnden um entschiedene Schritte, für die Sicheren, dass sie sich Gedanken machen, für die Nachdenklichen, dass sie auch handeln.

Stärke uns, wenn wir schwach sind, und lass uns die Schwachen nicht verachten, wenn wir stark sind. Wir bitten dich für uns alle, zeige du jedem einzelnen, wo er gebraucht wird und wie er sich in deinen Dienst stellen kann. Dir sei Ehre in Ewigkeit.                                                                          

FUVI0111ADANAUL
FREE Joomla! template "Adana"
joomla 1.6 templates by funky-visions.de